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3 Days to Liberation: Ein atmendes Archiv des Widerstands

Befreiung ist kein Ort, an dem man ankommt. Sie ist das Wagnis des Übergangs.

Was als Schrei begann – im Herbst 2023, im Namen von Jina, im Herzschlag einer feministischen Revolution –, hat sich zu einer beständigen Arbeit am Gedächtnis gewandelt.

3 Days to Liberation ist der Raum, den wir zwischen den Trümmern der Gewissheit offenhalten. Es ist eine Einladung an alle, die sich weigern, die Sprache der Macht als ihre eigene anzunehmen.

I. Liebeserklärung an eine Revolution (2023)

In der ersten Edition suchten wir nach einer Sprache für das Unfassbare. Wir feierten die Sehnsucht, wir nannten die Namen, wir machten die Wunden der Diaspora sichtbar. Es war der Versuch, die Distanz zwischen Berlin und Teheran zu überbrücken – nicht durch Geografie, sondern durch die radikale Nähe der Kunst. Ein Raum für die Liebe, die Trauer und die kollektive Stärke eines Aufbruchs, der kein Zurück mehr kennt.

II. Zwischen Unterdrückung und Überleben (2025)

Zwei Jahre später ist die Stille schwerer geworden. In einer Zeit, in der das Töten zur Bürokratie und Gewalt zum Argument wird, blickt das Projekt tiefer. Wenn Hinrichtungen zum Ritual der Einschüchterung werden, antworten wir mit dem Ritual der Zeugenschaft. Wir fragen: Was kostet die Freiheit in einem Zeitalter der Legitimation? Aus der unmittelbaren Antwort von 2023 ist eine anhaltende Praxis geworden, die sich in die Körper und Brüche der Geschichte eingräbt.

Das Wir im Dazwischen

Dieses Projekt, konzipiert von Maryam Palizban und präsentiert von Constanza Macras / Dorky Park, oszilliert zwischen dem Wissen der Wissenschaft und der Instinktivität der Bühne. Es ist ein Raum, in dem Stimmen aufeinandertreffen, um sich aneinander zu reiben, bis Funken entstehen.

Befreiung geschieht hier im Singen, im Spielen, im Sprechen. Sie geschieht dort, wo wir uns weigern, stumm zu bleiben.

3 Days to Liberation bleibt eine Liebeserklärung an eine Bewegung, die älter ist als jeder Aufstand – und die in jedem Atemzug neu beginnt.

Texte und Konzeption von Maryam Palizban

Maryam Palizban ist Theaterwissenschaftlerin, Künstlerin, Kuratorin und Schauspielerin. Geboren 1981 im Iran, lebt und arbeitet sie in Berlin. 2014 promovierte sie an der Freien Universität Berlin und dem Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) mit der Dissertation Performativität des Mordes, einer Untersuchung über Märtyrertum und schiitische Ritualtheaterpraxis (Kadmos Verlag 2017).

Ihre Forschung und künstlerische Praxis bewegen sich an den Schnittstellen von Religion, Performativität und Verkörperung, mit einem besonderen Fokus auf den Shi’a-Islam, Theatralität und moderne kulturelle Ausdrucksformen. Sie publiziert regelmäßig in Deutsch, Englisch und Farsi zu Kulturtheorie, Philosophie und Religionswissenschaft. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen gehört Leibverständnis und Leibvergessenheit (Karl-Alber-Verlag, 2022), eine interdisziplinäre Untersuchung der menschlichen Verkörperung.

Als Schauspielerin erlangte sie im Iran durch Filme wie Deep Breath (Cannes 2003), Fat Shaker (Rotterdam 2013, Tiger Award) und Lantouri (Berlinale 2016) internationale Bekanntheit und wurde unter anderem mit dem Iranian Film Academy Award als Beste Schauspielerin ausgezeichnet. Ihr politisches Engagement während der Jina-Revolution prägt seither ihre künstlerische und kuratorische Arbeit, die sie heute aus dem Exil realisiert.

Als Initiatorin von 3 Days to Liberation erschafft sie Räume, in denen künstlerische Praxis, kollektives Gedächtnis und wissenschaftliche Erkenntnis unmittelbar erfahrbar werden.