Concept

3 Days to Liberation II(2025)

Konzipiert & kuratiert von Maryam Palizban

Präsentiert von CONSTANZA MACRAS / DORKY PARK

12.–14. Dezember 2025

Zwischen Unterdrückung und Überleben

In den ersten acht Monaten des Jahres 2025 wurden im Iran mindestens 864 Menschen hingerichtet, doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum 2024. Hinrichtungen als Werkzeug politischer Kontrolle, als Ritual der Einschüchterung. Der Staat tötet, um vergessen zu machen.

Doch auch jenseits dieser Grenzen verschiebt sich etwas. Worte verlieren an Gewicht, Bilder an Klarheit. Gewalt wird erklärbar gemacht – politisch, religiös, bürokratisch. Wir leben in einer Zeit, in der Unterdrückung wieder argumentierbar geworden ist, in der Kriege, Vertreibungen, Völkermord und staatliche Repressionen nicht mehr verschwiegen, sondern gerechtfertigt werden. Ein globales Zeitalter der Legitimation von Gewalt hat begonnen.

3 Days to Liberation antwortet darauf mit einem Raum – einem Raum der Klage, der Kunst, der Sprache, der sich gegen das Schweigen richtet, gegen das Vergessen, das sich in die Diskurse einschreibt. Ein Raum, in dem Stimmen aus unterschiedlichen Kontexten aufeinandertreffen, nicht um sich zu glätten, sondern um in ihrer Reibung hörbar zu bleiben.

Hier treten Film, Theater, Musik und Diskussion als Formen von Widerstand, Zeugenschaft und Fürsprache in Beziehung. Sie fragen nicht nur, was Freiheit bedeutet, sondern auch, was sie kostet, wenn Systeme ihre Gewalt legitimieren und Gesellschaften beginnen, sich daran zu gewöhnen.

Liberation – Befreiung – ist hier kein Zustand, sondern eine Handlung: ein Wagnis, ein Übergang, ein noch nicht gesichertes Wort. Sie geschieht dort, wo Menschen sprechen, spielen, singen und sich weigern, die Sprache der Macht zu übernehmen.

Dieser Raum ist auch eine Reise – durch Erinnerungen, Körper und Geschichten. Diejenigen, die ihn betreten, tragen Fragmente ihrer Vergangenheit mit sich: Stimmen, Gerüche, Brüche, Bilder, die sich nicht einordnen lassen. In ihrer Bewegung entsteht ein anderes Wissen, kein abgeschlossenes, sondern ein atmendes, geteiltes. Ein Wissen, das aus Zeugenschaft wächst, aus Liebe, Angst, Verlust und aus der Weigerung, stumm zu bleiben.

Zwei Jahre nach dem ersten Teil setzt 3 Days to Liberation II, vom 12. bis 14. Dezember 2025 an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, diesen Prozess fort. Aus der Erfahrung von 2023 wächst eine neue Form des Sprechens und Zusammenkommens: von der unmittelbaren Zeugenschaft hin zur geteilten Verantwortung, vom Moment des Aufbegehrens hin zur anhaltenden Arbeit am Gedächtnis.

Das Programm dieses Jahres folgt den Wegen von Künstler*innen, Filmemacher*innen, Aktivist*innen und Theoretiker*innen, deren Arbeiten zwischen Kunst, Wissenschaft und politischer Erfahrung oszillieren. Die eingeladenen Arbeiten – Filme, Performances, Panels und Musik – verhandeln das Verhältnis von Erinnerung und Körper, von Widerstand und Sprache. So wird Befreiung zu einer Praxis des Erinnerns und zu Handlung, als künstlerische, existenzielle und kollektive Geste.

Denn jede Erzählung trägt die Geschichte einer Bewegung in sich, die älter ist als der Aufstand selbst, und die doch in jedem Atemzug, in jedem Satz, in jeder Begegnung neu beginnt.

Text: Maryam Palizban

Maryam Palizban ist Theaterwissenschaftlerin, Künstlerin, Kuratorin und Schauspielerin. Geboren 1981 im Iran, lebt und arbeitet sie in Berlin. 2014 promovierte sie an der Freien Universität Berlin und dem Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) mit der Dissertation Performativität des Mordes, einer Untersuchung über Märtyrertum und schiitische Ritualtheaterpraxis (Kadmos Verlag 2017).

Ihre Forschung und künstlerische Praxis bewegen sich an den Schnittstellen von Religion, Performativität und Verkörperung, mit einem besonderen Fokus auf den Shi’a-Islam, Theatralität und moderne kulturelle Ausdrucksformen. Sie publiziert regelmäßig in Deutsch, Englisch und Farsi zu Kulturtheorie, Philosophie und Religionswissenschaft. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen gehört Leibverständnis und Leibvergessenheit (Karl-Alber-Verlag, 2022), eine interdisziplinäre Untersuchung der menschlichen Verkörperung.

Als Schauspielerin erlangte sie im Iran durch Filme wie Deep Breath (Cannes 2003), Fat Shaker (Rotterdam 2013, Tiger Award) und Lantouri (Berlinale 2016) internationale Bekanntheit und wurde unter anderem mit dem Iranian Film Academy Award als Beste Schauspielerin ausgezeichnet. Ihr politisches Engagement während der Jina-Revolution prägt seither ihre künstlerische und kuratorische Arbeit, die sie heute aus dem Exil realisiert.

Als Initiatorin von 3 Days to Liberation erschafft sie Räume, in denen künstlerische Praxis, kollektives Gedächtnis und wissenschaftliche Erkenntnis unmittelbar erfahrbar werden.

CONSTANZA MACRAS / DORKY PARK

Künstlerische Leitung & Geschäftsführung:

Constanza Macras

 

Kompanie-Management:

Paulina Borda

 

Produktionsmanagement:

Alisa Aleshchenko

 

Produktion:

Vicky Kouvaraki

 

Produktionsassistenz:

Volha Vishniova

 

Technische Leitung:

Milos Vujkovic