Concept

3 Days to Liberation vol.I (2023)

Ein Projekt von Constanza Macras / Dorky Park und Maryam Palizban

Konzipiert und kuratiert von Maryam Palizban und Constanza Macras

1-3. Dezember 2023

An drei Tagen kuratieren Constanza Macras / Dorky Park und die iranische Theaterwissenschaftlerin, Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Maryam Palizban das Festival 3 Days to Liberation in der Videothek und im Roten Salon.

Mit der Ermordung der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini durch die iranische „Sittenpolizei“ begann eine „Feministische Revolution“. Sie ist der vorläufige Höhepunkt einer Bewegung, deren lange Geschichte im Westen weitgehend unbeachtet geblieben ist.

Seit der Revolution 1979 in Iran, die später als „Islamische Revolution“ bekannt wurde, befindet sich die iranische Gesellschaft in einem Prozess der Trennungen. Schon seit den ersten Tagen, die die gesamte politische Landschaft im Nahen Osten und darüber hinaus veränderte, gab es eine der größten Migrationsbewegungen von Künstler*innen und Intellektuellen aus dem Iran nach Europa und in die USA. Zur gleichen Zeit entstanden Protestwellen im Iran, die Frauenrechte, insbesondere in öffentlichen Räumen, in der neugegründeten Republik forderten, sich gegen das Aufkommen von frauenfeindlichen Strukturen wehrten und politische Teilhabe einforderten. Das iranische Regime erzeugte für seine Bevölkerung systematisch ein Feindbild als Gesicht der Diaspora. Durch die Jina-Revolution wurde dieses Bild zum ersten Mal zerstört. Die neue Generation im Iran erschloss sich das Potenzial der oppositionellen Diaspora.

Zu den Akteur*innen dieser Revolution gehören auch Künstler*innen und Intellektuelle mit einer Zukunftsvision, die sich aus ihrer Biografie im Iran und außerhalb speist. Die Grenzen ihres Kampfes sind weiter gefasst als die nationalistischen Narrative. Ihre künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeiten und Existenzen gründen sich auf das grundsätzliche Konzept von Widerstand.

3 Days to Liberation will ein Schauplatz des Austausches von Ideen und Erfahrung sein. Ein Erzählraum für Perspektiven der Nähe. Ein Raum für Erfahrungsberichte durch Film und Theater, für Diskussionsrunden mit Künstler*innen und Aktivist*innen, die die Vision von Freiheit in ihrem individuellen Widerstand leben und deren Geschichte Teil der laufenden Feministischen Revolution ist. Der Prozess der Befreiung und die Rolle der Künstler*innen – die Selbstbefreiung – verbindet alle Beteiligten. In diesem Erzählraum vertieft sich auch das Verständnis von heutigen Entwicklungen im Iran und ihre Reflexion in migrantischen Kulturen des Westens. Das Projekt wird daher die Arbeiten der teilnehmenden Künstler*innen und Intellektuellen, die jeweils eigene Erfahrungen mit Postkolonialismus und Migration haben, historisch kontextualisieren. Auf diese Weise sollen die Rahmenbedingungen diskutiert werden, die dazu führen, dass es für migrantische Kreative schwer ist, in bestimmte Narrative ihrer Gastländer einbezogen zu werden, und wie die Spuren des iranischen Regimes als Wunden in ihrem Leben und ihren Arbeiten auch im Exil sichtbar bleiben.

 

„Wie lange noch?“ haben wir uns gefragt.

 

Die Bilder, die Nachrichten, zeichneten eine immer größer werdende Sehnsucht nach Leben, nach Freiheit und dem Wir: wir Frauen*.

Es gibt keinen Weg zurück, sagen die, die sich der Revolution angeschlossen haben.

Nun ist ein Jahr vergangen. Die Anzahl der Ermordeten, der Gefangenen, die Arbeitsverbote, Reiseverbote und auch Kontaktverbote sind so hoch wie nie. Manche mussten zur Strafe in der Stadt Ghom theologische Seminare besuchen oder sich psychologischen Behandlungen unterziehen, besonders Schauspieler*innen, die sich ohne Kopftuch im öffentlichen Raum zeigten. Aber eine Revolution lebt mit jedem einzelnen Schicksal. Die Jina-Revolution ist mit Namen verbunden. Vor einem Jahr waren es Jina, Sarina, Nika … und Armita. Aber auch die Inhaftierten, die Journalist*innen Niloufar und Elaheh, die Aktivist*innen Sarvenaz … und auch die Friedensnobelpreisträgerin Narges, die seit Jahren im Gefängnis ist.

Die Revolution lebt in den Erzählungen des Leides, des Lebens und der Liebe. Aus ihnen bildet sich die gemeinsame Feier, die Trauer und die kollektive Stärke.

3 Days to Liberation: Liebeserklärung an eine Revolution

Text von: Maryam Palizban

Kompanie-Management:

Jimena Soria

 

Produktionsmanagement:

Alisa Aleshchenko

 

Produktion:

Vicky Kouvaraki

 

Produktionsassistenz:

Philipp Opara